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Tomar - Noch ein Weltkulturerbe …

... oder 180 Bögen.

Nach dem gestrigen Regentag, der dennoch am Abend einen kleinen "Griller" zuließ, weckt uns heute Morgen endlich wieder die Sonne. Der Vormittag wird wieder für einen ausgiebigen Strandspaziergang mit Archibald genutzt. Es ist uns schon in der Nacht nicht entgangen, das der Wellengang heute noch stärker ist wie sonst. Der vorsichtige Blick von unserer Terrasse aus nach Nazaré bestätigt unsere Vermutung und beim Gang über die Dünen werden die hohen Wellen Wirklichkeit. Zu überhören war das Spektakel schon während der Nachtstunden nicht, dieses unentwegte Grollen, manchmal meinen wir sogar die Erde bebt, wenn eine besonders große Welle an den Strand rollt.

Noch nachhaltig beeindruckt vom soeben erlebten, besuchen wir nach dem Mittag Tomar, eine Stadt etwa 100 km nordöstlich von Lissabon gelegen. Tomar liegt in der gleichen Richtung wie Fátima. Wir hätten gut und gerne aus beiden Orten auch eine Tagestour machen können, aber zu viel Kultur an einem Tag …, naja wir machen es halt lieber so!
In Tomar schlendern wir zunächst durch zwei Parks, die am Fuße der Templerburg und des Christusklosters, unserem eigentlichen Ziel, liegen. Die 39 ha große Grünanlage „Mata Nacional dos Sete Montes“ grenzt direkt an die Burg und wird auch als Gehege des Ordensklosters bezeichnet. Es ist eine kleine, gepflegte Grünanlage, die zum Verweilen einlädt, wie man an den vielen Kühl- und "Fress"taschen am Eingangstor sieht. Heute ist Sonntag und die Portugiesen sind „on Tour“, das heißt, mit Kind und Kegel unterwegs und bevölkern nicht nur jeden Park, sondern auch jeden Rast-/Grillplatz, Strand, die Orte …
Durch die wunderschöne Altstadt entlang am Fluß Nabao gelangen wir zu dem zweiten Park. Der „Mouchão Park“ ist ein wunderschöner Garten im Herzen von Tomar. Vom Fluß umgeben ist er unterteilt in mehrere Bereiche, die durch eine Brücke und einen kleinen Damm miteinander verbunden sind. Von hier haben wir eine herrliche Aussicht auf die Templerburg, auf die Brücken und Häuser der Altstadt. Am Ufer des Flusses entdecken wir das noch in Betrieb befindliche Wasserrad aus Holz, das in der Vergangenheit Mühlen mit Wasser versorgte – ein Wahrzeichen von Tomar.
Nach einem genüßlichen Kaffee schlendern wir durch die Altstadt zum Platz der Republik „Praça da República“ mit der Kirche Igreja Matriz dedicada a São João Baptista (Kirche des Heiligen Johannes des Täufers). Die katholische Kirche stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde 1910 unter Denkmalschutz gestellt. Der Platz markiert das Zentrum, von dem aus die Templerburg und das Convento de Cristo (Christusritterkloster) im Westen liegen. In den umliegenden Straßen befinden sich kleine, typische Läden und Cafés.
Den Kilometer zur Burg fahren wir dann doch mit dem Auto, denn es geht ziemlich bergauf und Hendrik ist froh über jeden Meter, den er heute mal wegen des Wetters nicht laufen muss. Und er MUSS noch ein paar Meter laufen, er weiß es nur noch nicht …

Der Anblick der Templerburg ist überwältigend. Im Jahre 1983 erklärte die UNESCO dieses einzigartige Juwel in der Geschichte des Abendlandes zum Weltkulturerbe der Menschheit. Dieser riesige Baukomplex, der auf den Überresten einer römischen Kultstätte errichtet wurde, dokumentiert sieben Jahrhunderte portugiesischer Geschichte. Dazu gehört auch das Kloster „Convento de Cristo“, eins der bedeutendsten Renaissance-Werke Portugals. Das Klosterinnere besuchen wir nicht. Der Eintritt, den wir hätten zahlen müssen ist nicht der Grund, Archibald ist der Zutritt verwehrt. Auch wenn wir wissen, das uns hier sicher viel sehenswertes entgeht, wir wollen noch die schmalen Burgmauern entlang laufen und dabei die Dimensionen der Burganlage und die umgebende Landschaft entdecken. Das nimmt auch noch einige Zeit in Anspruch und es sind noch einige Meter Weg auf der Mauer zu überwinden. Die Burgmauer ist wirklich sehr schmal und nichts für Leute und Hunde mit Höhenangst. Aber Archibald kennt in unserem Beisein keine Ängste und meistert den beschwerlichen Weg mit Bravour. Treppauf, Treppab, steil, eng, holprig und das alles in Schwindel erregender Höhe – alles kein Problem. Geschafft aber tief beeindruckt steigen wir wieder ins Auto. Eine Sache wollen wir uns noch anschauen: ein Aquädukt ganz in der Nähe von Tomar.
Mit seiner Länge von rund sechs Kilometern und seinen 180 Bögen zählt das „Pegões-Aquädukt“ zu den bedeutendsten und beeindruckendsten Bauwerken des 17. Jahrhunderts in Portugal. Das Aquädukt sollte die Burg der Christusritter mit Wasser versorgen, indem sie das kostbare Nass der vier Quellen bei Pegões in der näheren Umgebung von Tomar dorthin leitete. Zweifellos zählt dieses Aquädukt zu den größten und imposantesten Bauwerken seiner Art in Portugal. Aus einfachem Mauerwerk errichtet, weist er an den abschüssigsten Stellen zwei übereinander gelagerte Bogenreihen auf, wobei er mancherorts eine Höhe von 30 Metern erreicht.
So, wieder einmal kommen wir aus dem Staunen und Schwärmen für Portugal nicht heraus. Wie auch immer, jetzt geht es heim. 19 Uhr ist Abendessen am Strand angesagt, in unserem beliebten Strandrestaurant, in dem man den besten Fisch weit und breit essen kann. Bei leckerem Essen im Sonnenuntergang lassen wir den Tag ausklingen.

Blogeintrag vom

Sonntag, 22. September 2019

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