
Lago del Turano
Italienischer gehts es nicht!
Heute fahren wir nun an den reichlich 1 Stunde entfernten Lago del Turano. Der auf 536 m über dem Meeresspiegel am Flusslauf des Turano gelegene Stausee ist knapp zehn Kilometer lang und weist einen Umfang von etwa 36 km auf.
Der See wurde 1939 durch den Bau der Turano-Staumauer nahe zweier Ortschaften künstlich angelegt. Ziel war die Erzeugung von Wasserkraft sowie der Schutz der Ebene von Rieti vor Überschwemmungen. Der benachbarte, ebenfalls künstlich angelegte Lago del Salto (dort sind wir vor wenigen Tagen gewesen), entstand zur gleichen Zeit; beide Seen sind durch einen 9 km langen unterirdischen Stollen miteinander verbunden und speisen gemeinsam das Wasserkraftwerk Cotilia (bei Cittaducale).
Der See erstreckt sich am Fuße des bewaldeten Monte Navegna (1.506 m), einem Naturschutzgebiet. Auf halber Seelänge liegen sich die beiden Orte „Colle di Tora“ und „Castel di Tora“ gegenüber – der eine auf einer Halbinsel (Colle di Tora), der andere auf einer Felskuppe (Castel di Tora). Wie ihr sehen werdet, gibt es hier alles: einen klaren, ruhigen See, jede Menge Natur, malerische Orte – also alles, nur keinen Massentourismus, ja noch nicht einmal überhaupt irgendwelchen Tourismus. Wir sind die einzigen Touristen, außer vielleicht einer Handvoll Italiener, die hier ebenfalls Urlaub machen.
Der See liegt wirklich malerisch gelegen, umgeben von bewaldeten Bergen und mittelalterlichen Orten. Immer wieder halten wir an um zu fotografieren. Und immer und von allen Seiten sind die beiden Orte „Castel di Tora“ und „Colle di Tora“ begehrte Fotoobjekte.
Das Bergdorf „Castel di Tora“, das auf einer Felskuppe erbaut wurde, schauen wir uns an – ein klassischer „Postkartenort“. Ein mittelalterliches Steindorf über dem Wasser mit engen Gassen, Bögen und faszinierenden Ausblicken. Wir kommen aus dem Staunen kaum heraus, alles muss fotografiert werden. Auch die bunt bemalten „Hausanschlusskästen“, die hier wie überall für Jedermann zugänglich sind. Und wir fühlen uns pudelwohl, schlendern und genießen die Zeit hier und auch authentisches Leben im Ort. In der Dorfmitte gibt es einen hübschen Brunnen, den 1898 erbauten „Fontana del Tritone“.
Für das Mittagessen haben wir uns auch schon eine Restaurant ausgeguckt. Restaurants gibt es hier einige, die Auswahl fällt gar nicht so leicht. Überall gibt es leckere Sachen. Wir müssen die Augen ganz schön offen halten, denn in den schmalen Gassen (gerade so VW Polo Breite) fallen die Orte zum Speisen gar nicht so auf, bestehen teilweise nur aus einem Tisch mit zwei Stühlen unter einem Steinbogen. Wir entscheiden uns für die „Casa di Nonno Fabrizio“ ein „Home Restaurant“. Auf dem Plakat, das ist übrigens wirklich der Wirt! Und „Home Restaurant“ bedeutet, das dieser in seiner/m Privatwohnung/-haus Gäste empfängt und für diese kocht. Die „Speisekarte“ finden wir auf zwei Tafeln, die ans Haus angelehnt sind und auf dieser auch unsere „Favoriten“. Wir genießen hier auf der Mini-Terrasse, die nur über eine schmale Treppe zu erreichen ist und nur aus einem Tisch mit 2 Stühlen besteht, persönliche Atmosphäre und leckeres, regionales Essen. Es verirren sich noch zwei weitere italienische Pärchen hierher, sie finden in einem kleinen Raum im Inneren Platz. Wir sind quasi Teil vom typisch italienischen Dorfleben und wollen gar nicht wieder gehen. Der halbe Liter Weißwein will auch nicht als „Sturzwein“ getrunken werden! Für Hendrik gibt es, logisch, Kaffee. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange wir gesessen haben. Es war wunderschön.
Satt und glücklich schlendern wir zum Auto zurück. Noch ein paar Stopps am See und sogar noch 4 Italiener getroffen, die ebenfalls für Fotos angehalten haben ...
Diesen bezaubernden Ort werden wir wohl so schnell nicht vergessen. Und wer weiß, vielleicht kommen wir einmal wieder her.
Reiseübersichten
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